Die COVID-19-Pandemie ist auch für die Rehabilitationskliniken eine therapeutische Herausforderung. Bei dieser Erkrankung ist die Lunge das am häufigsten betroffene Organ. Es hat sich aber mittlerweile heraus gestellt, dass auch andere Organe betroffen sind. Hier sind insbesondere das Herz, die Nieren, die Blutgerinnung und auch das zentrale Nervensystem zu nennen. Daneben besteht auch eine erhebliche psychische Belastung der Patienten durch die zum Teil mehrwöchige Intensivbehandlung mit künstlicher Beatmung und fehlendem Kontakt zu den Angehörigen.

Die Erkrankung erfordert eine komplexe Behandlung durch ein interdisziplinäres Team. Hierzu zählen Ärzte, Physio- und Ergotherapeuten, Psychologen und Sozialmediziner. Bei der Behandlung der an COVID-19 erkrankten Personen kann auf  bewährte Behandlungsprinzipien zurückgegriffen werden, die auch bei anderen Lungenerkrankungen (zum Beispiel COPD, Lungenfibrose) zur Anwendung kommen.

 

Aufgrund der häufig mehrwöchigen intensivmedizinischen Behandlung mit künstlicher Beatmung werden die Patienten in sehr reduziertem Allgemeinzustand zur Rehabilitation aufgenommen.

Die Behandlung erfordert die Durchführung diagnostischer Maßnahmen, wie zum Beispiel regelmäßige Blutgasanalysen zur Überprüfung des Sauerstoffgehaltes im Blut, Lungenfunktionsuntersuchungen einschließlich sogenannter Diffusionsmessungen (Überprüfung des Gasaustausches in der Lunge) erforderlich. Diese können qualifiziert in der Espan-Klinik durchgeführt werden.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass durch komplexe Behandlung mit Physiotherapie, Psychologie und diagnostischer Überwachung die oben genannten Maßnahmen eine deutliche Besserung der vielfältigen Beschwerden und Symptome erzielt werden kann. Dazu gehört auch die Rückkehr in den Beruf.

Häufig benötigen Patienten auch nach der Rehabilitation noch eine umfangreiche ärztliche, physiotherapeutische und psychologische Nachbetreuung.

Der Genesungsprozess kann mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Da Patienten mit schweren COVID-19-Verläufen häufig durch langwierige Krankenhausaufenthalte, Beatmungstherapien und psychische Belastungen stark beeinträchtigt sind, ist die psychische Stabilisierung und Aufarbeitung der Ereignisse ein wichtiger Bestandteil der Reha.

Zur besseren Aufarbeitung und Krankheitsbewältigung der speziellen Krankheitserfahrungen bei COVID-19-Erkrankten, bietet unser Haus eine spezielle psychologische Begleitung von COVID-19-Patienten im Einzel- und Gruppengespräche an. Gesprächskreise zu COVID-19 finden zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch zweimal wöchentlich statt. Des Weiteren werden psychotherapeutische und psychosoziale Einzelgespräche zur Krankheitsbewältigung und nach Bedarf angeboten.

Regelmäßige Entspannungstrainings, wie zum Beispiel Autogenes Training oder progressive Muskelrelaxation in der Gruppe und bei Bedarf auch einzeln, helfen den Patienten in der Aufarbeitung der Ereignisse.

Um nach einer Erkrankung mit COVID-19 schnellstmöglich wieder leistungsfähig zu werden, bieten wir für jeden Patienten ein individuell auf ihn angepasstes Bewegungsprogramm an. Die Funktionsfähigkeit des Körpers wird in Einzel- und Gruppentherapien verbessert. Der Körper wird mobilisiert, Kraft wird aufgebaut, die Ausdauer verbessert und somit auch das Immunsystem gestärkt.

Nach einer Infektion mit COVID-19 ist es – unabhängig von einer damit verbundenen invasiven Beatmung – wichtig, wieder richtig Atmen zu lernen. In Gruppen- oder Einzeltherapien lernen die Patienten die Belüftung der Lunge zu verbessern, das Zwerchfell zu kräftigen und den Brustkorb zu mobilisieren. Mit einer verbesserten Atmung können die Patienten ihre Kraft und Ausdauer für ihren bevorstehenden Alltag schnell steigern.

Wir bieten für unsere Patienten die Atemtherapie in Einzeltherapie sowie, speziell für COVID-19-Patienten, in extra Atemtherapie-Gruppen an.

  • In der Espan-Klinik werden Patienten nach Covid-19-Infektion fit gemacht
    27.07.2020 – Neckarquelle (Artikel nicht online verfügbar)